Mittwoch, 7. Januar 2015

Minimalistisch wohnen

Minimalismus ist dir sicherlich schon ein Begriff.

Vielleicht denkst Du dabei an kubische Architektur aus Glas, Stahl und Beton, vielleicht an große helle Räume, weiße Wände und schlichte Möbel. Oder an reduziertes, funktionales  Design.
Vielleicht denkst Du auch an Menschen, die akribisch ihr Hab und Gut zählen und versuchen diese Zahl immer wieder zu unterbieten. Oder an Menschen, die ihren gesamten Besitz in einem Rucksack mit sich herumtragen können?

War der Begriff Minimalismus ursprünglich als rein ästhetisches Konzept erdacht, übersetzen ihn immer mehr Menschen weltweit als Lebensstil der Einfachheit, als Gegenentwurf zu einer Konsumorientierten Gesellschaft. 

Allen Schattierungen dieses minimalistischen Lebensstils liegt immer die Frage nach der Notwendigkeit, der Sinnhaftigkeit zugrunde. 

Wie Du diese Frage für Dich persönlich beantwortest und auf welche Lebensbereiche Du sie anwenden möchtest, steht Dir dabei frei. 

Nur 100 Dinge besitzen?
Nur 33 Kleidungsstücke?
Nur einen Rucksack voll?
Oder doch ganz anders?


Hier soll es jetzt erstmal um Wohnraum gehen.

Ich also, die ich schon immer von diesen leeren, weißen Räumen träumte, stand plötzlich in diesen ziemlich vollgequetschten 59 Quadratmetern. Eine ganze Weile dachte ich auch über einen Umzug in eine größere Wohnung nach, bis ich endlich begriffen hatte, dass meine nicht zu klein war, sondern der Inhalt zuviel. Also habe ich angefangen auszusortieren, zu entrümpeln. Das war wirklich mühsam (so ohne den Müllcontainer unterm Fenster, den ich schon mal erwähnt habe) und hat viele, viele Monate gedauert. Regelmäßige Nervenzusammenbrüche ob der schier endlosen Aufgabe inklusive. Es wurde weniger, aber es war immer noch zuviel. Während ich mich also intensiv damit beschäftigte, was ich alles nicht mehr brauchte, machte ich mir auch immer mehr Gedanken darüber, was ich eigentlich brauchte. Und drehte meine Taktik kurzerhand um:

Wozu nutze ich meine Wohnung?
Welcher Raum soll welche Funktion erfüllen? 
Welche Möbel und wie viele brauche ich, um diese Funktion zu erfüllen?

Und so wurde zum Beispiel aus dem kaum genutzten Wohnzimmer ein von Freunden gerne frequentiertes Esszimmer. (Ein Hoch auf Dinnerparties!) Neben dem großen Tisch war in diesem kleinen Raum nicht mehr viel Platz für weitere Möbel. Es musste also eine Stauraumlösung her, die sich zurück nimmt und möglichst wenig Platz weg. Als die stand, habe ich mir dann nur so viel Kram erlaubt, wie da hinein passte. Mit diesem genau abgegrenzten Rahmen fiel es mir viel leichter mich von Geschirr, Brettspielen, Büchern und Sonstigem zu trennen, als vorher immer nur mit dem vagen Ziel, es solle einfach irgendwie weniger werden, vor mich hin zu sortieren. 
Genauso bin ich dann in den anderen Zimmern vorgegangen: 
In der Küche, die wirklich sehr klein ist, wusste ich, ich will nur eine kompakte Küchenzeile, in der alle Geräte und Stauraum untergebracht sind. Und möglichst nicht alles mit wuchtigen Hängeschränken bis unter die Decke zugepflastert. Alles, was nicht in diese 2,40 m passte, musste also gehen.
Das winzige Badezimmer sollte leer bleiben. Also musste alles, was nicht in den winzigen Unterschrank des winzigen Waschbeckens passt, gehen.

Praktisch bin ich es so angegangen, dass ich jedes Zimmer einzeln ausgeräumt habe und nach Renovierung und Möblierung nach und nach in kleinen Häppchen entschieden habe, was wieder einziehen darf. Jeder Raum ein kleiner Neuanfang.

Mit dieser Herangehensweise habe ich im letzten Jahr mehr erreicht als in den drei Jahren davor und meinen Besitz auf ungefähr ein Drittel reduziert. Je mehr ich weg gegeben habe, desto leichter ist es mir gefallen.

Zugegebenermaßen habe ich einen nicht geringen Anteil der Möbel neu gekauft, aber es sind jetzt weniger und alle sind genau auf ihre Funktion und unsere Raumverhältnisse zugeschnitten. Und zum ersten Mal seit 15 Jahren habe ich nicht mehr dieses ständige Bedürfnis nachts um drei Möbel umzustellen oder Wohnblogs zu durchforsten!

Also keine leeren, weißen Räume?, fragst Du jetzt vielleicht.

Nein. Im Moment bin ich aber auch so zufrieden mit meinem Wohnraum. Er passt zu meinem Leben. Hier und jetzt. Aber Leben ist ein Prozess, Bedürfnisse ändern sich. Diese immer wieder zu hinterfragen und das Drum-Herum dementsprechend anzupassen, ist mir wichtiger als irgendwelchen Stereotypen hinterher zu hecheln, so idealistisch und erstrebenswert sie auch sein mögen! 

Und Du, wie wohnst Du?
Was möchtest Du vielleicht an Deinem Wohnraum verändern?
Oder hast Du vielleicht schon Deinen minimalistischen Wohntraum verwirklicht und kannst berichten, welche Taktik Dir geholfen hat ans Ziel zu kommen?



XO

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